Positiv ist nicht naiv

Immer wieder lesen und hören wir, dass wir positiv denken sollen, damit es uns besser geht und wir uns richtig gut fühlen. Aber vielen Menschen ist gar nicht klar, was positives Denken eigentlich bedeutet. Muss ich wirklich jeden Tag wie ein grinsender Pudel durch die Gegend rennen, auch wenn es mir mal nicht gut geht? Und muss ich die ganze Welt durch eine rosa Brille sehen, gedankenlos alles annehmen, ohne zu hinterfragen? Jedem Menschen um den Hals fallen, egal wer oder wie er ist? – NEIN! So sicher nicht.

Vor einiger Zeit bin ich von einer jungen Frau angeschrieben worden, die mir unbedingt ihr Nahrungsergänzungsprodukt verkaufen wollte. Dazu kann jetzt jeder seine eigene Meinung haben, die ich hier nicht diskutieren möchte, ich jedenfall bin da nicht überzeugt. Ich gehöre aber auch zu den Leuten, die nicht einfach ablehnen, sondern sich erst mal informieren. Ich habe also besagtes Produkt sehr kritisch hinterfragt und bin dann zu dem Schluß gekommen, dass ich nicht überzeugt bin und nicht kaufen möchte. Das habe ich dann auch so weiter gegeben. Als Reaktion hat besagte Dame meinen Beruf in Frage gestellt. Wie kann ich denn behaupten ein positiver Mensch zu sein und andere positiv beeinflussen wollen, wenn ich selber Dingen soo kritisch gegenüberstehe. Sie hätte mich ja gerne als Coach gebucht, aber da ich so negativ wäre, würde sie davon nun Abstand nehmen. Ohne nun diese Verkaufsstrategie zu beurteilen, liegt hier ein ganz ganz großer Denkfehler vor, denn positives Denken bedeutet nicht, Dinge nicht skeptisch zu hinterfragen. Ich kann meinen gesunden Menschenverstand auch behalten, wenn ich mich entschieden habe positiv zu denken.

Positives Denken bedeutet einfach, das Negative im Leben nicht überzubewerten und den Fokus auf das Positive zu legen. Wenn ich nun z.B. in Urlaub fahre und es regnet viel, dann kann ich mich in mein Hotel/Wohnwagen etc. verkriechen und über das Wetter jammern, weil es immer schlecht ist, wenn ich Urlaub habe und ich überhaupt immer nur Pech habe. Ich kann aber auch, und genau das bedeutet positives Denken, mich an der schönen, fremden Umgebung erfreuen und überlegen, was man bei Regen machen kann, ein Museum suchen, ein Wellnessbad etc. Es gibt schliesslich auch Dinge, die man Indoor machen kann. Deshalb muss ich nicht unbedigt in strömenden Regen und vielleicht noch Unwetter rumtanzen und singin in the rain trällern. Es ist eifach auch hier, wie bei allem eine Frage des richtigen Masses.

Auch sehr positive Menschen haben schlechte Tage und leiden. Der Verlust eines geliebten Menschen oder Tieres, der Verlust des Partners, finanzielle und gesundheitliche Probleme und einiges anderes, ziehen auch einen positv denkenden Menschen runter. Nur sieht er eben auch den Silberstreifen am Horizont. Positiv Denken heisst also nicht, keine Probleme haben, sondern zu Wissen, dass es auch wieder besser wird und es immer eine Lösung gibt, auch wenn man sie im Moment nicht sieht.

Positiv Denken heisst offen sein, nicht naiv sein.